3. Januar 2026 - Allgemein

Verborgene Blockaden in meinen Sprechstunden sichtbar machen

Mit dem Jahresanfang blicke ich reflektierend auf zentrale Themen, die unser Miteinander prägen. Der Vortrag von Dr. Peter Gehrig zum Thema «Scham und Beschämung» beim Symposium der SexMed Academy am 13. Dezember 2025 bot tiefe Einblicke – und passt perfekt zum neuen Jahr: In meinen Sprechstunden kommt Scham regelmässig vor, oft als unsichtbare Blockade in Sexualität und Beziehungen.
 Verborgene Blockaden in meinen Sprechstunden sichtbar machen

Scham und Beschämung verstehen – Impulse aus der SexMed Academy

Ursprung im Schöpfungsmythos

Die Geschichte von Adam und Eva symbolisiert den Übergang zur Selbstwahrnehmung: Neugierde führt zum Wissen um die eigene Objektivität und soziale Normen, was Scham als Voraussetzung für Individuation weckt. Gesunde Scham entsteht als Vorläufer im Fremdeln ab dem 14. Lebensmonat und fördert ab dem zweiten Lebensjahr moralisches Empfinden sowie Normenintegration. Sie schützt Zugehörigkeit, wahrt Grenzen und motiviert zu Kompetenzen – eine evolutionäre Strategie für soziale Anpassung.

Gesunde vs. pathologische Scham

Gesunde Scham ermöglicht Selbstreflexion und Empathie, signalisiert Verletzungen sozialer Regeln und weist auf Bedürfnisse wie Würde und Akzeptanz hin. Pathologische Scham wurzelt hingegen in frühkindlichen Traumata wie Bindungsabbrüchen, Vernachlässigung oder elterlicher Ablehnung, die das Gefühl wecken: «Ich bin falsch oder böse». Dies führt zu «Urscham» – einer Wunde der Urliebe –, falschem Selbst, Loyalität durch Scham (nach Peter Levine) und späteren Mustern wie Perfektionismus oder Vermeidung von Verantwortung. In meinen Sprechstunden begegne ich diesem Muster täglich, etwa bei Klienten mit sexuellen Hemmungen oder diffusen Schuldgefühlen.

Körperliche und soziale Reaktionen

Scham löst Erstarren aus: gesenkter Blick, eingezogene Schultern, Blässe, Übelkeit oder Dissoziation; im Extremfall Flucht, Angriff oder Sucht als Masken. Besonders Sexualität wird stark beschämt – von Körperbild bis Orientierung –, doch erotische Intimität nutzt Scham spielerisch: Ihr Aufheben schafft Lust, ihr Wiedereinsetzen erhält Spannung. Therapeutisch regulierbar durch Kontakt, Blick und feine Augenbewegungen.

Therapeutische Ansätze

In der Sexualtherapie ist Schamkompetenz essenziell: Reflexion eigener Schambiografie verhindert Gegenübertragungen wie Retter-, Täter- oder Opfer-Rollen. Scham braucht Sprechen und Mitgefühl als Gegengift; Selbstfürsorge-Strategien und Arbeit mit inneren Kritikern transformieren sie. Als Hüterin von Privatheit und Integrität kann Scham, gehalten, zu mehr Authentizität in Beziehungen und Sexualität führen – ein Thema, das 2026 in meiner Praxis weiter im Fokus steht.
In meiner körperorientierten Praxis in Bern lade ich ein, Schamthemen wertschätzend anzugehen – für mehr Freiheit, Nähe und Würde. Kontaktiere mich für ein Gespräch.

Federico Rath – Sexualtherapie in Bern


authentisch · wertschätzend · individuell